LNG Spezifikation Spot-Ladung: Brennwert, Wobbe-Index, Methanzahl und was ein Käufer prüfen muss
Eine LNG-Spezifikation für eine Spot-Ladung ist ein Zusammensetzungsbereich, keine einzelne Sorte. Der Beitrag erklärt Brennwert, Wobbe-Index, Methanzahl, Stickstoff- und Verunreinigungsgrenzen, die Berechnung nach ISO 6976 und die Prüfungen vor Bestätigung einer DAP- oder FOB-Ladung.
Eine LNG Spezifikation für eine Spot-Ladung ist keine Sorte im Sinne von EN 590 oder Jet A-1. Verflüssigtes Erdgas wird als Zusammensetzungsbereich spezifiziert, und die Eigenschaften, die der Käufer bezahlt und das Terminal annimmt – Brennwert, Wobbe-Index und Methanzahl – werden aus dieser Zusammensetzung berechnet. Wer eine Spot-Ladung unter einem Rahmenkaufvertrag bestätigt, hat nur ein kurzes Zeitfenster, um zu prüfen, ob die angebotene Ladung zum Empfangsterminal und zum nachgelagerten Markt passt. Dieser Beitrag zeigt, was zu prüfen ist.
Was eine LNG Spezifikation für Spot-Ladungen enthält
Eine Bestätigung für eine Spot-Ladung nennt üblicherweise Ladeterminal, Schiff, Lieferfenster, Menge in MMBtu mit Toleranz, Preis in USD je MMBtu und die Qualität gemäß Rahmenvertrag. Die Qualitätsklausel legt meist fest:
- Brennwert (GHV): Minimum und Maximum in MJ/m³, Btu/scf oder kWh/m³ bei genannten Bezugsbedingungen
- Wobbe-Index: Minimum und Maximum; die Austauschbarkeitskennzahl, die entscheidet, ob das Gas in den nachgelagerten Geräten richtig verbrennt
- Methanzahl: Minimum für Märkte, in denen Gas in Kolbenmotoren verbrannt wird; EN 16726 verlangt für Netzgas in Europa mindestens 65
- Stickstoff: Maximum in Mol-%, üblicherweise um 1 Mol-%, da Stickstoff keine Energie liefert und den Boil-off erhöht
- Schwefelwasserstoff, Gesamtschwefel, Quecksilber und Kohlendioxid: Maxima in mg/m³, ng/m³ oder ppm zum Schutz von Terminal und Netz
- Ethan, Propan, Butane und Pentane plus: Maxima in Mol-%, die den Wobbe-Index im Band halten
Brennwert, Wobbe-Index und Methanzahl erklärt
Brennwert
Der Brennwert ist die bei vollständiger Verbrennung einer Volumeneinheit Gas freigesetzte Energie bei kondensiertem Verbrennungswasser. Er wird aus der gaschromatographisch gemessenen Zusammensetzung (ISO 6974) nach ISO 6976 berechnet. Die Bezugsbedingungen sind entscheidend: 15 °C/15 °C, 25 °C/0 °C und 60 °F/14,73 psia liefern für dasselbe Gas verschiedene Zahlen, und der Vertrag muss angeben, welches Paar gilt.
Wobbe-Index
Der Wobbe-Index ist der Brennwert geteilt durch die Wurzel der relativen Dichte. Zwei Gase mit gleichem Wobbe-Index liefern durch dieselbe Brennerdüse dieselbe Wärme; deshalb regulieren Netze über den Wobbe-Index und nicht über den Brennwert. Die EASEE-gas Common Business Practice für europäische Einspeisepunkte setzt ein Wobbe-Band von 13,60 bis 15,81 kWh/m³ und eine relative Dichte von 0,555 bis 0,700; nationale Regeln wie in Großbritannien und Spanien sind enger. Eine reiche Ladung aus einer Nassgasquelle kann das Band überschreiten und am Terminal eine Stickstoffbeimischung erfordern.
Methanzahl
Die Methanzahl beschreibt die Klopffestigkeit in Gasmotoren, analog zur Oktanzahl bei Benzin. Sie sinkt mit steigendem Anteil an Ethan und schwereren Komponenten. Eine für Netz und Kraftwerk annehmbare Ladung kann für einen Markt mit Gasmotoren oder LNG-betriebenen Schiffen ungeeignet sein; das Minimum ist daher anzugeben, wenn die Endnutzung Motoren einschließt.
Regel: Eine LNG-Ladung wird in Energie bezahlt und nach Zusammensetzung angenommen. Der Käufer muss sowohl den Brennwertbereich für die Rechnung als auch die Wobbe- und Verunreinigungsgrenzen für das Terminal anhand der Analyse im Entladehafen bestätigen, bevor die Bestätigung unterschrieben wird.
Mengen- und Qualitätsmessung
Die Eigentumsübergabe folgt dem GIIGNL LNG Custody Transfer Handbook und ISO 10976 für die Messung an Bord. Das Volumen stammt aus der kalibrierten Tankpeilung des Schiffs vor und nach der Übergabe, korrigiert um Trimm, Krängung und Temperatur. Die Dichte wird aus Zusammensetzung und Temperatur berechnet; die gelieferte Energie ist Volumen mal Dichte mal Brennwert, abzüglich des an das Schiff zurückgeführten Gases und, sofern vertraglich vorgesehen, des während der Entladung als Brennstoff verbrauchten Gases. Die Probenahme des LNG-Stroms folgt ISO 8943 mit kontinuierlicher Verdampfung und Online-Chromatographie; das Mengen- und Qualitätszertifikat wird gemeinsam von Terminal und unabhängigem Surveyor ausgestellt.
Was ein Käufer vor der Bestätigung prüfen muss
- Einspeisespezifikation des Terminals: die erwartete Zusammensetzung der Ladung, belegt durch aktuelle Analysen des Ladeterminals, gegen die Wobbe-, Brennwert-, Stickstoff- und Schwefelgrenzen des Empfangsterminals abgleichen. Magere US-Golfküstenladungen und reiche Ladungen aus Nassgasbecken liegen an entgegengesetzten Enden der meisten Bänder.
- Alterungsreserve: Eine lange Reise entfernt per Boil-off Stickstoff und Methan und erhöht Brennwert und Wobbe-Index. Die Ankunftszusammensetzung, nicht die Ladezusammensetzung, gegen das Band prüfen.
- Schiff-Land-Kompatibilität: Das Schiff braucht eine gültige Kompatibilitätsstudie mit dem Empfangspier und bei FOB-Ladungen mit dem Ladepier. Das ist eine Voraussetzung, keine Formalität.
- Bezugsbedingungen und Einheiten: Sicherstellen, dass der Brennwert in der Preisformel und der in der Terminalspezifikation dieselben Bezugsbedingungen verwenden, sonst widersprechen sich Rechnung und Abnahmeprüfung.
- Heel und Toleranz: Die Mengentoleranz in der Bestätigung muss zu dem passen, was das Schiff nach Rückbehalt des für die nächste Reise nötigen Heels physisch liefern kann.
- Lieferklausel: Incoterms 2020 kennt kein DES. Spot-Bestätigungen verwenden DAP oder die im Rahmenvertrag definierte Lieferklausel, mit Eigentums- und Gefahrübergang am Entladeflansch.
Übersichtstabelle
| Parameter | Typische Klausel | Grundlage |
|---|---|---|
| Brennwert | Minimum und Maximum bei genannten Bezugsbedingungen | ISO 6976 |
| Wobbe-Index | innerhalb des Bands des Empfangsterminals | ISO 6976, EASEE-gas CBP |
| Methanzahl | Minimum bei Versorgung von Motoren | EN 16726 |
| Stickstoff | Maximum in Mol-% | ISO 6974 |
| H₂S, Gesamtschwefel, Quecksilber | Maximum in mg/m³ bzw. ng/m³ | Netzzugangsregeln des Terminals |
| Gelieferte Energie | Volumen × Dichte × Brennwert | GIIGNL-Handbuch, ISO 10976 |
Ein Verkäufer, der eine Spot-Ladung anbietet, stellt die aktuellen Ladeanalysen ohne Zögern bereit. Ein Käufer, der sie anfordert und vor der Bestätigung mit den Zugangsregeln des Terminals abgleicht, vermeidet den teuersten Fehler im Spot-LNG-Geschäft: eine Ladung zu bezahlen, die das Terminal nicht annehmen kann.
Häufige Fragen
Warum wird LNG in MMBtu und nicht in Tonnen verkauft?+
Weil der Käufer Energie bezahlt, nicht Masse. Die gelieferte Energie ist das entladene Volumen mal LNG-Dichte mal Brennwert, berechnet aus der Zusammensetzung nach ISO 6976, und die Rechnung lautet auf MMBtu oder MWh.
Was ist der Unterschied zwischen magerem und reichem LNG?+
Mageres LNG ist nahezu reines Methan mit niedrigerem Brennwert, typisch für Exporte von der US-Golfküste. Reiches LNG enthält mehr Ethan, Propan und Butan und hat höheren Brennwert und Wobbe-Index. Ein Terminal mit engem Wobbe-Band muss eine reiche Ladung unter Umständen mischen oder Stickstoff zusetzen.
Ändert sich die Zusammensetzung während der Reise?+
Ja. Beim Boil-off verdampfen Stickstoff und Methan zuerst, sodass die verbleibende Ladung auf langer Reise etwas reicher wird. Das nennt man Alterung oder Weathering; deshalb gilt in den meisten DAP-Verträgen die Analyse im Entladehafen und nicht die im Ladehafen für die Rechnung.
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